Karl Otto Götz

Karl Otto Götz

Grüneburgweg 123 Frankfurt am Main, 60323, Germany Thursday, September 11, 2014–Saturday, November 8, 2014

In einer retrospektiven Ausstellung zeigt DIE GALERIE vom 11. September 2014 an mehr als vierzig Werke von Karl Otto Götz, einem der bedeutendsten deutschen Nachkriegskünstler, der am 22. Februar 2014 seinen 100. Geburtstag feierte und in einer Reihe von großen Museumsausstellungen gewürdigt wurde: als einziges deutsches Mitglied der internationalen Künstlergruppe CoBrA, als einer der maßgeblichen Schöpfer des deutschen Informel und als einflussreicher Lehrer an der Düsseldorfer Kunstakademie.

Eher zufällig findet K. O. Götz, während seiner Zeit in Frankfurt, wo er von 1950 bis 1959 lebt, die entscheidenden Schritte zur Formulierung seiner eigenen Bildsprache, als er für seinen Sohn Kleisterfarbe anrührt. Er verlässt die tradierte, von Surrealismus und Abstraktion geprägte, fixe Formsprache und entwickelt eine neue, freie, ganz eigene Technik, in der er die grundierte Leinwand flach auf dem Boden liegend mit Kleister versieht und die Farbe mit Rakel und Pinsel in kraftvollen Schwüngen in den noch feuchten Kleister arbeitet. Diese Technik ermöglicht ihm ein rasantes Arbeiten und damit das augenblickliche Festhalten eines Bildmoments.

In Frankfurt formierte er zusammen mit den Malern Otto Greis, Heinz Kreutz und Bernard Schultze die Künstlergruppe Neuexpressionisten, die als Quadriga kunsthistorische Bedeutung erlangte, eine der ersten Avantgarde-Bewegungen nach dem zweiten Weltkrieg, die in der wegweisenden Zimmergalerie von Klaus Franck Ausstellungsmöglichkeit und Zugang zur internationalen Kunstentwicklung erhielt. In Frankfurt begann Götz mit der Herausgabe seiner Kunstpublikation ‚Metamorphose‘, später kurz ‚META‘ betitelt, die ein Forum für aktuelle Entwicklungen in Kunst und Poesie wurde und ihren Lesern nach Jahren der Isolation ein erstes Fenster ins Ausland bot. Götz‘ Einzimmerwohnung in Frankfurt in der Schleidenstraße wurde zunehmend zur Drehscheibe für zahlreiche Maler und Schriftsteller aus dem In- und Ausland.

K. O. Götz‘ Frühwerk und seinem Weg aus den surrealistischen, experimentellen Anfängen wird in der Ausstellung bei DIE GALERIE besondere Aufmerksamkeit zuteil: von Experimenten mit der Monotypie und der Spritztechnik über seine drei Jahre währende Mitgliedschaft bei CoBrA, der Künstlervereinigung, deren Gründer aus den Anfangsbuchstaben ihrer Heimatstädte Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam mit dem Sinnbild der Schlange eine kurze, leidenschaftliche Bewegung entfachten. Götz war an den großen Ausstellungen der Gruppe in Amsterdam 1949 und Lüttich 1951 beteiligt und Herausgeber der deutschen Ausgabe der CoBrA Zeitschrift No. 5. Seine Reisen, vor allem nach Paris, aber auch nach Amsterdam und Dänemark, seine Auseinandersetzung mit der Pariser Avantgarde führten ihn schließlich auf den Pfad einer konsequenten und stringenten eigenen Bildsprache, einer Auflösung des klassischen Formprinzips.

K. O. Götz wird zum wichtigsten Vertreter des Informel in Deutschland und behält seine Technik der Malerei mit der Rakel zeitlebens bei. Über Jahrzehnte entwickelt er seine Serien aus diesem System, es entstehen Variationen nur in Schwarz-Weiß, Variationen ganz ohne Schwarz, mehrteilige Leinwände in monumentalen Ausmaßen, aber auch kleinformatige Papierarbeiten, Ordnungsprinzipien mit Schnittkanten oder solche ganz ohne Rakel, dichte, sich über die ganze Bildfläche ausdehnende Schwünge oder auf eine Bewegung minimalisierte.

Die Ausstellung in DIE GALERIE spannt einen Bogen von den Spritzbildern aus dem Jahr 1935 über Gouachen und Monotypien aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, erste und wichtige informelle Beiträge wie das 1958 auf der Biennale in Venedig gezeigte Stördö und spätere Entwicklungen, z. B. aus der Mitte der 1980er Jahre entstandenen Giverny-Serie bis hin zu späten Pal-Bildern aus den 1990ern und letzten farbenfrohen Leinwänden aus 2006/2007, der Zeit, in der sich die Erblindung des Künstlers bereits ankündigt. Auch die noch 2010 bis 2011 entstandenen Werke in monumentalen Formaten halten in jugendlichem Elan diese Momente des Entstehens fest. Chapeau für solch körperliche und geistige Frische! So „malt“ K.O. Götz noch immer, wenn auch inzwischen nur ganz gelegentlich.