Marilà Dardot ist bei der Eröffnung anwesend.
Geboren 1973 in Belo Horizonte, lebt und arbeitet in São Paulo.
Am 30. September 2014 eröffnet die Galerie Krinzinger in der Seilerstätte 16,1010 Wien, die
Ausstellung der brasilianischen Künstlerin Marilá Dardot mit dem Titel „HIER“. Auf Einladung von
Ursula Krinzinger und den beiden KuratorInnen Adriano Pedrosa und Luisa Duarte nahm Marilá
Dardot einige Wochen am Artist-in-Residence-Programm von Krinzinger Projekte teil. Nun
präsentiert sie die Arbeiten, die während ihres Wien-Aufenthalts entstanden sind.
Marilá Dardot entwickelte neben anderen Projekten eine Serie von Arbeiten, die Bücher und
Schrift bzw. Sprache als formale und konzeptuelle Inputs gebraucht. 2004 begann sie eine
archivarische Sammlung des Wortes „Silence“, das ihr beim Lesen von Büchern, Zeitschriften
und anderen Drucksorten auffiel, als Versuch die verschiedenen Bedeutungen des Wortes
zusammenzutragen. „Silence has always intrigued me, perhaps because I am actually a silent
person. Here in Brazil it seems strange to be quiet, it makes people uncomfortable.“ Die in der
Ausstellung gezeigte Arbeit Silences besteht aus 5 verschiedenen Übersetzungen dieses
Wortes: Stille, Ruhe, Schweigen, Stillschweigen und Schweigsamkeit. Die verschiedenen
Bedeutungen wurden mittels alten Holz-Typographen jeweils auf recyceltes Papier gedruckt.
Marilá Dardots Ouvre kennzeichnet sich auf verschiedenen Ebenen durch die Zusammenarbeit
mit anderen Künstlern und die Bezugnahme auf Intellektuelle und Schriftsteller aus. „Iʼve never
created anything on my own. My work usually relates either to an author, a book, a work of art,
sometimes to visitors at the exhibition: there is always an Other at some stage of the process.“1
Während Ihres Residency-Aufenthalts bei Krinzinger Projekte, sammelte die Künstlerin alte
Bücher, die ihr optisch gefielen, die sie aufgrund der deutschen Sprache aber nicht lesen
konnte. Die Installation Minha Biblioteca Vienense ist eine Sammlung von Buch-Covern, die –
nach Farben und Größen sortiert – eine farbige, geometrische Landschaft erzeugt, „that could
be understood as my inability to read them, but also as an attempt to create other meanings
through abstraction.“ Für die zweite Installation Código desconhecido (Unknown Code)
verwendete sie jene Buchseiten, die bei Minha Biblioteca Vienense nicht verwendet wurden.
Allerdings wurde der bedruckte Teil der Buchseiten entfernt, sodass nur die Buchrückseiten
übrig blieben. Diese ordnete sie der Größe nach so an, dass sie an unleserliche Barcodes
erinnern: „We can no longer read the narratives, but only its structure, which used to put the
pages together in the correct order.“
Einzelausstellungen u.a. bei Casa de Cultura Laura Alvi, Rio de Janeiro (2014), The Landscape
is moving, Frieze London (2013), Novas Pinturas – Galeria Vermelho – São Paulo (2012),
Museu de Arte Moderna de São Paulo (2011). Collections: Museu de Arte da Pampulha, Belo
Horizonte; Museu de Arte Moderna de São Paulo MAM, São Paulo; Pinacoteca do Estado de
São Paulo.